Grunderwerbsteuer: Neues Sparmodell »Unit Deals« statt Share Deals

Die Finanzbranche erprobt neue Steuervermeidungsmodelle bei Immobiliengeschäften.

Vor allem Banken und internationale Finanzinvestoren versuchen seit Jahren, die Grund­erwerbsteuer zu umgehen, indem sie Immobilien in einem Firmenmantel verstecken und nur Gesellschaftsanteile verkaufen. Diese sogenannten Share Deals sind in der Regel nicht grunderwerbsteuerpflichtig. Diese Praxis wollen die Finanzminister der Länder und des Bundes beenden (SPIEGEL 32/2019).

Internationale Anwaltskanzleien raten daher zu neuen Modellen. Die US-Wirtschaftskanzlei McDermott Will & Emery empfiehlt sogenannte Unit Deals, »die keine Grunderwerbsteuer auslösen«. Dabei werden die Anteile eines Fonds statt der Immobilie selbst verkauft. Voraussetzung: Die Immobilien müssen in einem Sondervermögen gebündelt sein. Ein nach diesem Modell steuerbefreites Grundstücks­geschäft hat bereits die Hessisch-Thüringische Landesbank Helaba abgewickelt.

Im November 2018 erwarb die Investmenttochter der Helaba einen Fonds mit 21 Gewerbe­immobilien von einer Berliner Investmentgesellschaft, angeblicher Kaufpreis: 520 Millionen Euro. Mit der Transaktion sei aber nicht die Helaba Eigentümerin der Immobilien geworden, so eine Sprecherin. Die Bank agiere »lediglich als Dachfonds-Manager«.

Miteigentümer der Bank ist dabei ausgerechnet das Land Hessen, dessen Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) als einer der schärfsten Kritiker derartiger Steuervermeidungsmodelle gilt. Ein Sprecher des Landes erklärt, die Bank bewege sich im »rechtlich Zulässigen«. Die Landes­regierung wolle weiterhin »Steuervermeidungsstrategien beenden«.

Eine Antwort auf „Grunderwerbsteuer: Neues Sparmodell »Unit Deals« statt Share Deals“

  1. Der natürliche, der evolutionäre Kampf zwischen Räuber und Beutetier oder halt der Kampf zwischen Steuerpflichtigen und Steuereintreiber – gut, dass die Banken die besseren Juristen haben. Macht der Staat ein Loch zu, geht woanders eines auf.

    Steuern sparen ist den Deutschen ja (fast) wichtiger als Sex, hieß es mal im SPON: https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/mythos-ist-den-deutschen-steuernsparen-wichtiger-als-sex-a-1110077.html Man kann den coitus ja auch nicht immer mit Migräne als Ausrede verschieben, ein Irish Double and a Dutsch sandwich sind auch eine passable Ausrede. 😛

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